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Barbie, Mythen und die Front: Natalka Sniadanko über osteuropäischen Feminismus

Stadtgeschehen
  • Erstellt: 31.05.2026 / 14:03 Uhr von mr
Was bedeutete der Zusammenbruch der Sowjetunion für die Frauen in Mittelosteuropa? Und wie verändert der aktuelle Krieg das Leben und Sterben schreibender Frauen in der Ukraine? Die renommierte Autorin Natalka Sniadanko wirft in Magdeburg einen ungeschönten Blick auf weibliche Perspektiven von 1990 bis zur Gegenwart.

Der Fall des Eisernen Vorhangs im Jahr 1989 brachte für die Staaten Osteuropas tiefgreifende Veränderungen mit sich, die das Leben von Millionen Frauen völlig neu strukturierten. Die ukrainische Schriftstellerin und Übersetzerin Natalka Sniadanko, die als eine der wichtigsten kulturellen Vermittlerinnen zwischen der Ukraine, Deutschland und Polen gilt, hat diese Transformationsprozesse intensiv beleuchtet. Am kommenden Dienstag, dem 2. Juni, stellt sie ihre Erkenntnisse in der Magdeburger Stadtbibliothek vor.

Ausgangspunkt des Abends ist ihr aktueller Text „Barbie und andere Mythen des osteuropäischen Feminismus“, der im jüngst erschienenen Sammelband „Durch den Eisernen Vorhang nach Europa. Osteuropa nach 1989“ veröffentlicht wurde. Sniadanko eröffnet darin ganz spezifische, oft übersehene weibliche Sichtweisen auf die postsowjetische Ära und hinterfragt gängige Mythen rund um die Emanzipation im Osten.

Literatinnen im Krieg: Von der Feder an die Front
Das von Wolfram Tschiche moderierte Gespräch geht jedoch weit über die historische Aufarbeitung nach 1990 hinaus. Ein zentraler und bedrückend aktueller Schwerpunkt des Abends wird die veränderte Realität schreibender Frauen im andauernden russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine sein.

Das Augenmerk richtet sich dabei auf ein breites, tragisches Spektrum weiblicher Erfahrungen.
Schriftstellerinnen im Kampfeinsatz: Frauen wie Jaryna Tschornohus und Olena Herasymjuk, die ihre literarische Arbeit gegen den Dienst an der Front getauscht haben.
Opfer des Krieges: Das Gedenken an ukrainische Autorinnen wie Viktoria Amelina, die im Zuge des Krieges ums Leben kamen.

Über die Autorin
Natalka Sniadanko, geboren 1973 im ukrainischen Lviv, ist im deutschen Literaturbetrieb längst eine feste Größe. Zu ihren bekanntesten auf Deutsch erschienenen Romanen zählen „Sammlung der Leidenschaften“ und „Frau Müller hat nicht die Absicht, mehr zu bezahlen“. Seit 2022 ist sie korrespondierendes Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Derzeit lebt, arbeitet und promoviert die freie Publizistin in Leipzig.

Ein Abend im Zeichen der Demokratie
Die Lesung ist Teil des landesweiten Projekts „Lesezeichen Demokratie“. Diese Initiative der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt hat es sich zum Ziel gesetzt, demokratische Werte über das Medium Literatur greifbar zu machen und die politische Bildung vor Ort nachhaltig zu stärken.

Wann: Dienstag, 2. Juni, um 19:30 Uhr
Wo: Zentralbibliothek der Stadtbibliothek, Breiter Weg 109, Magdeburg
Eintritt: Der Besuch der Veranstaltung ist kostenfrei.

Organisiert wird der Abend von der Stadtbibliothek Magdeburg in enger Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt. Alle interessierten Bürgerinnen und Bürger sind herzlich eingeladen, an der Lesung und der anschließenden Diskussion teilzunehmen.

Bilder

Quelle: Stadtbibliothek Magdeburg / Bild: Tomasz Lesniowski
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