Der Traum von einer neuen, über 100 Millionen Euro teuren Mehrzweckhalle ist im Magdeburger Stadtrat mit einem Paukenschlag geplatzt. Trotz eindringlicher Appelle der Verwaltungsspitze, „größer zu denken“, wurde die Vorlage zur Vorbereitung des Neubaus mit einem vernichtenden Ergebnis vor den Augen von SCM-Geschäftsführer Marc-Henrik Schmedt am Abend abgelehnt.
Die einzige Einigkeit herrschte bei der Pflichtaufgabe: Die dringende Sanierung der Getec-Arena für rund 13,5 Millionen Euro wurde einstimmig beschlossen. Unter anderem sollen das Dach, der Hallenboden und die technischen Anlagen erneuert werden.
Unrealistische Finanzierung
Die Ablehnung des Neubau-Plans, der die neue Heimstätte des SCM werden sollte, lag vor allem an den ungesicherten Kosten und dem nebulösen Finanzierungsplan. Die Stadträte stuften die Vorlage als zu großes Risiko ein.
Norman Belas (SPD) attackierte die Vorlage, da die Wirtschaftlichkeit, die Auslastung und die genauen Kosten unklar seien: „Wir wissen nichts über die Auslastung, wir wissen nichts über die genauen Kosten, wir wissen nichts über die Finanzierung. Das ist eine Blackbox.“
Sein Fraktionskollege Falko Grube (SPD) kritisierte die Finanzierungsstrategie der Stadt gegenüber dem Land Sachsen-Anhalt als unrealistisch: „Wir beschließen das hier und gehen dann zum Land und sagen: Liebes Land, bezahlen Sie mal das bitte? Das könnte ein bisschen schwierig sein.“
Olaf Meister (GRÜNE) nannte das Vorgehen „höchst dubios“ und forderte, die Stadt müsse zuerst die Probleme im eigenen Haus lösen: „Was kostet uns das denn als Stadt an Betriebskosten? Ich möchte mich auf gar keinen Fall an einem Projekt beteiligen, was noch ein schwarzes Loch für die Stadt aufmacht.“
Defizit vs. Vision
Oberbürgermeisterin Simone Borris und Bürgermeisterin Regina-Dolores Stieler-Hinz warben leidenschaftlich für die Pläne und betonten, die Stadt müsse als Sportstadt „mal größer denken“ und eine „Vision“ für die nächsten zehn bis 15 Jahre entwickeln.
Die CDU unterstützte zwar die Idee, kritisierte aber den Zeitpunkt. Bernd Heynemann (CDU) stellte fest, dass eine so wichtige Diskussion nicht geführt werden sollte, während wir gleichzeitig ein riesiges Haushaltsdefizit haben. Ein Loch von 57 Millionen Euro klafft in der Stadtkasse.
Carola Schumann aus dem Kulturausschuss forderte, sich auf die Sicherung des Bestandes zu konzentrieren und nicht auf ungesicherte Zukunftsprojekte: „Warum nimmt man jetzt nicht die 13 Millionen und saniert die Halle so, dass wir für die nächsten 20, 25 Jahre ein Haus haben, was funktioniert?“
Auch die Kritik, dass die Bedürfnisse des Breitensports vernachlässigt werden, wurde laut. Noah Biswanger (Die Linke) mahnte: „Wir können nicht immer nur auf den Spitzensport gucken.“
Auch Mega-Halle scheitert: Vorerst keine Taylor Swift-Auftritte in Magdeburg
Auch eine noch „größer gedachte“ Idee scheiterte: Die Gartenpartei hatte in einem Änderungsantrag vorgeschlagen, lieber eine Halle mit einer Kapazität von 20.000 Zuschauern an einem Standort am Stadtrand zu planen, um größere Konzertveranstaltungen, wie von der oft im Plenum angesprochenen Taylor Swift, zu ermöglichen. Dieser Antrag wurde mit nur 3 Ja-Stimmen ebenso deutlich abgelehnt. Die selbe Anzahl an Zustimmungen, die der Hauptantrag für die neue Arena selbst bekommen hat.
Das Votum des Stadtrates ist eindeutig: Die millionenschwere Vision einer neuen Multifunktionsarena liegt auf Eis. Magdeburg setzt vorerst auf die Bestandssanierung. Wo der SCM während der Bauarbeiten seine Heimspiele austragen soll, wird dann die nächste große Frage sein.
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