Das Land Niedersachsen hat in den vergangenen Jahren ein Modellprojekt umgesetzt und geprüft, wie sich Tempo 30 und 50 jeweils auswirken - unter anderem auf Luftqualität, Lärmbelästigung und Sicherheit im Straßenverkehr. Der NDR veröffentlichte die vorläufigen Ergebnisse, die folgendes beinhalten: Aus dem Modellprojekt geht hervor, dass der Verkehrsfluss bei Tempo 30 flüssiger ist. Dies bedeutet weniger Staus und Wartezeiten. Auch die Luftqualität hat sich leicht verbessert, was für die für Anlieger relevant ist. Und die Lärmbelästigung an den betroffenen Straßen hat sich spürbar reduziert. Ein wichtiges Ergebnis ist auch, dass sich zwar die Zahl der Unfälle nicht deutlich reduziert habe, es gab allerdings weniger schwere Unfälle. Dies sei vor allem auf höhere Reaktionszeiten und verkürzte Bremswege zurückzuführen.
An dem Modellprojekt haben die sechs Städte Osnabrück, Göttingen, Garbsen, Seevetal, Edewecht und Friedland teilgenommen.
Bundesratsinitiative: Kommt Tempo 30 bald bundesweit?
Eine der wichtigsten Erkenntnisse des Modellprojekts sei, dass die erhobenen Daten und Ergebnisse auf andere Regionen übertragbar sind. Damit stellt sich die Frage: Kommt Tempo 30 bald flächendeckend auf Hauptverkehrsstraßen und das nicht nur in Niedersachsen, sondern bundesweit? Wenn alle Daten ausgewertet sind, will Niedersachsen eine Initiative im Bundesrat einbringen. Vom niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Bauen heißt es: "Am Ende soll es sich für die Bevölkerung und die Kommunen lohnen und die Städte sicherer machen."
Tempo 30 auch international ein Diskussionspunkt
Nicht nur in Deutschland, auch in anderen Ländern wird über Tempo 30-Zonen in Innenstädten nachgedacht, teilweise sind diese bereits erfolgreich realisiert. So zum Beispiel in Helsinki. Wie die Tagesschau am 3. August berichtete, ist seit Juli 2024 auf den Straßen Helsinkis kein Mensch mehr durch einen Unfall gestorben. Dieser Erfolg sei auch auf den Ausbau von Tempo-30-Zonen zurückzuführen.
So erklärte die finnische Polizei gegenüber der Tagesschau, dass es im vergangenen Jahr keinen einzigen Verkehrstoten in der Hauptstadt gegeben habe. Aus Sicht der Polizei und der Stadtverwaltung haben vor allem Geschwindigkeitsbegrenzungen und bessere Bedingungen für Fußgänger die Sicherheit auf den Straßen erhöht. Im vergangenen Jahr gab es laut Informationen der Stadtverwaltung Helsinkis 277 Verkehrsunfälle mit Verletzten - ein starker Rückgang im Vergleich zu etwa 1.000 Unfällen mit Verletzten sowie etwa 30 Verkehrstoten noch Ende der 1980er-Jahre.
Standpunkte von ADAC, ADFC und VCD
In Deutschland ist das Straßenverkehrsgesetz im vergangenen Jahr aktualisiert worden. Somit sind auch Tempo 30-Zonen durch Kommunen einfacher einführbar. Wie der ADAC in einer Pressemitteilung informiert, können kommunale Verkehrsbehörden Busspuren, Radwege und Flächen für den Fußverkehr jetzt leichter einrichten – sowie auch Tempo-30-Strecken entlang viel befahrener Schulwege oder rund um Spielplätze. Darüber hinaus sei es möglich, zwei Tempo-30-Strecken miteinander zu verbinden, wenn nicht mehr als 500 Meter zwischen ihnen liegen.
Laut ADFC hat Tempo 30 an Hauptverkehrsstraßen oder in einem Wohngebiet zahlreiche positive Auswirkungen auf den Radverkehr: Es verbessert die Verkehrssicherheit deutlich und trägt zu einem besseren Miteinander im Straßenverkehr bei. So wird Radfahren auch für Menschen attraktiv, die das Rad noch nicht für ihre Alltagswege nutzen. Darüber hinaus mindert Tempo 30 die Lärm- und Schadstoffbelastung und erhöht die Lebensqualität. Der ADFC ermutigt deshalb Kommunen, überall dort Tempo 30 anzuordnen, wo es möglich ist.
Der Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD) sieht durch die Einführung von Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit innerorts vor allem folgende Vorteile: kürzere Bremswege, weniger Lärm und sicherere Straßen. In einer Pressemitteilung kommt der VCD zu folgendem Fazit: „Tempo 30 macht unsere Städte nicht nur sicherer, sondern auch lebenswerter! Indem sich die Geschwindigkeiten der verschiedenen Verkehrsteilnehmenden – Zufußgehende, Radfahrende und Autofahrende – besser aufeinander abstimmen, entsteht ein entspannteres und harmonischeres Miteinander im Straßenverkehr. Fußgänger*innen können sicherer und ohne Hektik die Straße überqueren, Radfahrende fühlen sich wohler, weil sie nicht ständig von schnell vorbeirauschenden Autos bedrängt werden, und Autofahrende profitieren von einem ruhigeren Verkehrsfluss.
Besonders beeindruckend: Der Platzbedarf eines Autos bei Tempo 30 sinkt auf weniger als die Hälfte im Vergleich zu Tempo 50! Denn mit geringerer Geschwindigkeit verringern sich Sicherheitsabstände und Haltezonen, wodurch wertvolle Flächen frei werden. Diese Flächen können für breitere Gehwege, geschützte Radwege, Grünflächen oder Aufenthaltsorte genutzt werden – alles, was unsere Städte freundlicher, lebendiger und menschenfreundlicher macht. Tempo 30 bedeutet also nicht nur mehr Sicherheit, sondern auch mehr Platz für Begegnung, Bewegung und eine nachhaltige Stadtgestaltung!“
Es gibt natürlich auch Gegner von Tempo 30-Zonen oder gar flächendeckendem Tempo 30 in Innstädten. Dazu gehören vor allem Bus- und Taxidienste sowie viele Lieferanten, die sich dadurch eingeschränkt sehen und sogar mögliche finanzielle Verluste anführen. Auch deren Anliegen müssen in die Überlegungen einfließen.
Verkehrsministerium ist gegen eine generelle Absenkung von 50 km/h innerorts
Wir haben im Ministerium für Infrastruktur und Digitales des Landes Sachsen-Anhalt nachgefragt, ob es ein vergleichbares Modellprojekt in Sachsen-Anhalt gibt. Dem ist nicht so, aber es gebe Erhebungen durch die Bundesanstalt für Straßenwesen (BaST), welche Effekte Tempo 30 nach sich ziehen würde. Demnach liegt es in der Natur, dass bei geringerer Geschwindigkeit die Unfallintensität, also die Schwere der Unfälle und auch Unfallfolgen, abnehmen. Ebenso seien die positiven Auswirkungen auf Umweltaspekte, wie Emission und Energieverbrauch, zu beachten.
„Aber nicht zuletzt auch der Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs kommt eine hohe Bedeutung zu. Wichtig ist bei der Betrachtung eine Differenzierung von Haupt- und Nebenverkehrsstraßen. Eine generelle Absenkung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit innerorts von 50 km/h wird nicht befürwortet, da auf den gut ausgebauten übergeordneten Vorfahrtstraßen in der Regel ein schnelles Vorankommen ermöglicht werden sollte. Hier ist grundsätzlich der Einzelfall zu prüfen“ heißt es aus dem Ministerium für Infrastruktur und Digitales.
Kommentare
Xoro schrieb um 05:35 Uhr am 12.08.2025:
Mit freundlichen Grüßen
Jan schrieb um 15:55 Uhr am 11.08.2025: