Der Meetingpoint berichtete euch bereits über die beiden weiteren Brückensperrungen des Magdeburger Rings, über die am Mittwoch auf einer Pressekonferenz im Alten Rathaus informiert wurde.
Zu diesem Thema erreichte uns die folgende Pressemitteilung der Fraktion Grüne/future!:
Am vergangenen Dienstag informierte die Magdeburger Stadtverwaltung, dass nach dem Abriss der Brücke am Damaschkeplatz nun auch die Ringbrücken über die Halberstädter Straße und Brenneckestraße wegen akuter Einsturzgefahr gesperrt werden müssen. Damit sind nun weite Teile der Schnellstraße unbefahrbar – und das kurz nachdem die Behelfsbrücke über den Damaschkeplatz für mehrere Millionen fertiggestellt wurde.
Bereits in der Stadtratsdebatte im April mahnte die Grüne Fraktionsvorsitzende Madeleine Linke, alle Brücken im Blick zu haben. „Es bringt wenig, eine teure Behelfsbrücke über den Damaschkeplatz zu legen, wenn uns wenige Tage später die Nachricht erreicht, dass die Brücke über die Halberstädter Straße ebenfalls gesperrt werden muss.“
Linke stellt kritisch infrage, ob die veranschlagten 6,8 Mio. Euro für Abriss und Behelfsbrücke am Damaschkeplatz zielführend eingesetzt wurden. Sie fordert vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen eine grundlegende Neubewertung der Infrastrukturstrategie der Stadt: „Es zeigt sich, wie wichtig es ist, Maßnahmen in einen größeren verkehrlichen Zusammenhang zu stellen – wir brauchen dauerhaft tragfähige Lösungen statt isolierter Einzelmaßnahmen. Wir müssen sicherstellen, dass Investitionen sinnvoll priorisiert werden – sowohl für die Wiederherstellung alter Verkehrsverbindungen als auch für den zügigen Ausbau nachhaltiger Alternativen wie Fuß-, Rad- und Nahverkehr.“
In einer Stellungnahme auf eine Anfrage der Fraktion musste die Stadtverwaltung bereits einräumen, dass die Entscheidung für die Behelfsbrücke auf der Annahme falscher Verkehrsentwicklungen beruhte. Der Autoverkehr verlagert sich nicht wie angenommen vollständig auf die Stadtstraßen, da unter anderem viele Menschen stattdessen eher vom Auto auf das Fahrrad umstiegen und der Fernverkehr um die Stadt herum statt wie bisher durch sie durchfährt.
Die Fraktion Grüne/future! fordert daher aus diesen Erkenntnissen zu lernen und künftig klüger abzuwägen, wofür Haushaltsmittel verwendet werden. „Es kann nicht sein, dass soziale und kulturelle Projekte sowie Baumpflanzungen im Umfang von wenigen Tausend Euro zurückgefahren werden müssen, während an anderer Stelle Millionen ohne ausreichende Gesamtstrategie eingesetzt werden. Wir brauchen eine Haushaltspolitik, die unsere Infrastruktur zukunftsfähig macht.
Besonders vor dem Hintergrund der kürzlich eingeführten Steuererhöhungen für die Magdeburger*innen sei ein sensibler Umgang mit öffentlichen Geldern unerlässlich. „Wenn Bürger*innen mehr zahlen müssen, ist es unsere Pflicht, mit den Mitteln besonders verantwortungsvoll umzugehen. Großprojekte müssen finanziell gut begründet sein“, bekräftigt Linke.
Die grüne Verkehrspolitikerin will lieber auf alternative Verkehrsmittel setzen. „Die Ergebnisse am Damaschkeplatz haben gezeigt, dass die Menschen bereit sind, das Verkehrsmittel zu wechseln, wenn man ihnen ein gutes Angebot macht. Wir müssen so viele Menschen wie möglich vom Auto auf das Rad und in den ÖPNV bekommen, um die zu entlasten, die wirklich auf das Auto angewiesen sind. 62 % aller innerstädtischen Wege in Magdeburg werden bereits heute ohne Auto zurückgelegt. Wenn wir weitere 5–10 % erreichen, wäre das eine erhebliche Entlastung.“
Dafür brauche es möglichst kurze und attraktive Umleitungen für Fuß- und Radverkehr, sowie einen priorisierten Abriss der Brücke an der Halberstädter Straße, damit der Straßenbahnverkehr wieder aufgenommen werden kann. Dennoch dürfe bei allen wichtigen verkehrspolitischen Erwägungen auch der Tierschutz nicht zu kurz kommen. Tierschützer*innen kritisierten, dass am Damaschkeplatz beim Abriss der Brücke Vögel lebendig unter dem Bauschutt begraben wurden. „Ein trauriges Drama mit unzähligen getöteten Vögeln wie am Damaschkeplatz darf sich nicht wiederholen. Die Planungen für den Vogelschutz im Zuge des Abrisses müssen jetzt beginnen“, betont Linke.
In einer Anfrage der Fraktion fordert diese die Stadtverwaltung auf, alle Unterlagen im Zusammenhang mit den fehlenden Tierschutzmaßnahmen am Damaschkeplatz zu veröffentlichen.
Kommentare
Veen schrieb um 09:56 Uhr am 12.08.2025:
Der Stürz der Karolabrücke in Dresden hat richtig "Brückenangst" ermöglicht. Folgend ist verweigert worden die beide andere Brückenzüge der Karolabrücke zu erproben.
Es hätte doch mit einem Förderband jeweils Tausenden Tonnen Sand auf die Mitte der Flussüberquerung gefahren werden können, bevor sie ggfls. abgerissen wurden, um für die ganze BRD nützliche Informationen zu sammeln. Die Brückenzügen hätten weiteren Jahrzehnten benützt werden können wenn die Flussüberquerungen einwandfrei die Erprobungen bestanden hätten. Die ganze "Brückenwirtschaft" will so etwas dennoch nicht sondern richtig "Brückenangst" womit sich tüchtige Geldmengen, Einkommen und Gewinnen einfahren lassen. Das geht leicht, zu Lasten der Allgemeinheit. Die Grünen in Magdeburg beschweren ein Wenig damit sie ihre Position erfüllen. Sie erwähnen nicht, dass da vielleicht absichtlich stufenweise die Brücke abgewertet werden um die große Geldmengen einfahren zu können. Bei der zusammengestürzten Überspannung der Karolabrücke lagen einzelmalige Fakten vor die zum Versagen geführt haben. Tatsachliche Ingenieurswissenschaftler verstehen, dass daher kein Nachweis vor liegt einer Unzuverlässigkeit aller ähnlichen Brücken. Sie werden dennoch eingestampft oder beseitigt. Pseudoingenieure die an einer technischen Hochschule Betriebswirtschaft oder ähnliches absolviert haben, verstehen wie kurzfristige Erhöhungen der Gewinnzahlen oder Budgetzahlen erzielt werden können und werden bevorzugt durch politische und andere Führungen, derer Fähigkeit ähnlich ist.